Apotheker suchen Rezepte gegen grosse Medikamentenflut

Netzwerk Aargau Die Partner im Gesundheitswesen suchen unter Leitung der Apotheker nach optimalen Abläufen. Auch zum Wohl der Patienten.

Zu viele Köche verderben den Brei und zu viele Pillen die Gesundheit. Falsche und zu viele Medikamente sind ein grosses Problem im Gesundheitswesen. Lösen lässt sich der harte Pillenknoten nur, wenn alle Partner des Gesundheitswesens besser zusammenarbeiten. Just zu diesem Zweck hat der Aargauische Apothekerverband (AAV) das Netzwerk Aargau ins Leben gerufen. Der Start ist gut geglückt: 170 Fachpersonen aus Apotheken, Spitex, Pflege- und Altersheimen kamen zum Kick-off-Anlass in Buchs und diskutierten im Plenum und in Gruppen über bessere Abläufe, eine bessere Koordination und Kommunikation. Kurz über eine optimale Vernetzung aller Mitspieler im Gesundheitswesen.

Zehn Medikamente für Ältere

Die Medikamentenflut nimmt mit zunehmendem Alter ständig zu, der Mix daraus dient nicht immer nur dem Wohl der betagten Patienten. Wenn die eine Fachperson nicht weiss, was die andere Betreuerin wann schon verabreicht hat, ist das eine wirklich ungesunde Situation.

«30 Prozent der über 75-jährigen Personen brauchen mehr als acht Medikamente», sagt Fabian Vaucher, Präsident des Aargauischen Apothekerverbandes. Je älter die Patienten, desto mehr Medikamente, laute die Regel. «Viele Arzneimittel bedeuten viele Probleme und viele Kosten», betont Vaucher – obwohl der Verkauf der Medikamente zum Kerngeschäft der Apotheker gehört. Genau aus diesem Grund gebe es seit über zehn Jahren Bestrebungen für eine leistungsorientierte Abgeltung, «die sich nicht nach dem Verkauf der Medikamente richtet». Wegen immer mehr Generika gehen die Preise zurück, die Erträge pro Packung ebenso, aber die Zahl der Packungen steigt weiter. Ein Problem mit den Medikamenten bildet auch die Tatsache, dass rund 20 Prozent der Betagten die Pillen wegen der Grösse oder des Geschmacks nicht schlucken können. Das erhöht natürlich das Risiko, dass die Medikamente wieder ausgespuckt werden, wenn die Betreuer um die Ecke sind, im WC verschwinden oder auf anderen Wegen entsorgt werden. Ein wichtiges Instrument zur Übersicht ist der Medikamentenplan für die Patienten.

Ergebniskonferenz mit Ärzten

An der Konferenz in Brugg ging es um eine erste Auslegeordnung mit Referaten aus den Bereichen Spitex, Apotheker und Langzeitpflege. In 15 Gruppen wurde die lokale und überregionale Zusammenarbeit intensiv diskutiert und analysiert. Die Verbesserung der Patientenbetreuung stand im Zentrum, auch in der Podiumsrunde mit Olga Hürlimann (Fachstelle Pflege ambulant DGS), Kantonsapothekerin Muriel Sponagel sowie Barbara Reutlinger und Yvonne Bieri, den beiden Pflegedirektorinnen der Kantonsspitäler Aarau und Baden. Zu einem Coaching-Tag im kleinen Kreis kommt es am 15. Mai. Dann werden 30 Projekte für die Ergebniskonferenz vom 18. September aufgegleist. Beim Start zum Netzwerk Aargau war das Fehlen der Ärzte ein Schönheitsfehler, aber im Herbst werden sie sicher vertreten sein. «Das ist wichtig, denn die Ärzte sind die Dirigenten in diesem Orchester», betont Fabian Vaucher selber.

Parallel zum Aargauer Masterplan

Das Netzwerk Aargau versteht sich als Teil und nicht als Konkurrenz zum Masterplan Integrierte Versorgung Aargau. Dieser läuft unter dem Begriff Mivag 17 im Departement Gesundheit und Soziales (DGS) von Regierungsrätin Susanne Hochuli. Für das auf vier Jahre befristete Projekt sind 800 000 Franken bewilligt, mit dem erklärten Ziel, Leerläufe, falsche und mehrfache Behandlungen auszuschalten. Mivag-Projektleiter Urs Zanoni hat den Masterplan in Buchs kurz vorgestellt und die erhoffte Wirkung erklärt.

Das Rezept heisst bessere Zusammenarbeit aller Player im Gesundheitswesen, von Ärzten und Apothekern über Spitex und Pflegeinstitutionen bis zu den Spitälern. Wenn das gelingt, steigt die Qualität und die Kosten sinken – oder bleiben stabil.

Download Zeitungs-Artikel [PDF]



Teilen

Kommentieren